Abschied

Rein technisch gesehen fliegt die Maschine die Schleife um Luang Prabang herum um die nötige Höhe für die Überquerung der Berge südlich der Stadt in Richtung Bangkok zu gewinnen. Emotional ist dies hingegen eine schöne Geste der Piloten um noch einmal einen längeren Sehnsuchtsblick auf diesem Ort ruhen lassen zu können. Beate ist jetzt irgendwo dort unten, und vielleicht sieht sie ja auch gerade zu diesem Flugzeug auf. Durch den sehr übersichtlichen Flugplan von Luang Prabang ist die Zuordnung der einzelnen Flugzeuge (noch) recht einfach.
Es ist jetzt schon das zweite Mal, dass sich unsere Wege in Luang Prabang trennen. Wieder ist mein Urlaub zu Ende während Beate noch eine Weile hier bleiben kann. Leicht ist mir der Abschied heute nicht gefallen, zumal überall in Luang Prabang die Vorbereitungen für die Bootsrennen am nächsten Donnerstag laufen, die ich sehr gerne noch miterlebt hätte. Jeden Abend hatte ich in meinem Lieblingstempel im Vat Choumkoung Sourintharame über das Anhaften meditiert und bin zu dem Ergebnis gekommen:

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Man muss auch loslassen können.

Nun sitze ich gerade auf dem Flughafen in Bangkok und warte auf den Weiterflug nach Dubai, von wo es nach 8 Stunden Pause weiter über Frankfurt zurück nach Hause geht.

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In diesem Sinne. (Dieses Schild habe an der Tür einer Bar in Luang Prabang gefunden)

Tschüss bis bald

Nur nicht umkehren

„Jetzt kehren wir doch nicht mehr um, denn durch diesen Matsch wollen wir uns kein zweites Mal kämpfen. Außerdem kann der Weg jetzt nur noch besser werden.“ Keine Ahnung woher wir diesen Optimismus nahmen, vielleicht war es aber einfach nur Naivität oder Ignoranz gegenüber den Straßenverhältnissen in der Regenzeit. Denn es kam schlimmer, und je weiter wir uns entlang des Mekongs gen Süden voran kämpften, desto mehr zog uns immer wieder das Argument, den gerade geschafften Teil der Strecke kein zweites Mal fahren zu wollen, immer weiter nach Süden. Denn schlimmer konnte der Weg ja nicht mehr werden. Durch diese Gedankenschleife sind wir einige Male gelaufen und immer wieder durften wir lernen, dass es noch schlimmer geht.
Der Ansatz am Morgen war eigentlich ganz vernünftig. Wir hatten uns ein weiteres Mal eine Honda geliehen um diesmal ganz entspannt nur auf asphaltierten Straßen ein wenig durch die Berge südlich von Luang Prabang zu cruisen. Es hatte in der Nacht bereits wieder geregnet und für den Tag waren Gewitter angesagt, deshalb wollten wir die „dirt roads“ meiden. Doch dann trafen wir auf eine sehr breite und glatte Piste die am Mekong entlang gen Süden führte. Diese war auch nicht schlechter als eine Asphaltstraße. Nach ein paar Kilometern kam die erste Brückenbaustelle, dann die erste Furt, die Piste wurde schmaler, matschiger, bergiger, … und wir waren in dem oben beschriebenen Teufelskreis gefangen. Manchmal war der Matsch so tief, dass die Honda keinen von uns mehr tragen konnte, manchmal glich der Weg einem Flussbett und die Honda hüpfte mit uns von Stein zu Stein, wir passierten Furten vor denen wir vor zwei Tagen noch kapituliert hätten, nur bei einer konnten wir zum Glück auf einem Bambusfloß übersetzen. Vor zwei Tagen waren die Wege gut abgetrocknet gewesen, heute durften wir die Nummer mit der Schmierseife üben, die schmalen Reifen mit feinem Straßenprofil waren da wenig hilfreich. Was die kleine Honda heute alles wegstecken musste und am Ende des Tages auch klaglos hingenommen hat spricht für diese Maschine und erklärt ihre Beliebtheit bei den Laoten. Von den 167 Kilometern, die wir heute gefahren sind, war gut die Hälfte der Strecke von der ganz harten Art. Die Erlösung des Tages kam als Asphaltstraße in Muang Nam, die uns, wie eigentlich mal geplant, durch die Berge zurück nach Luang Prabang führte.

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Mit einer so schönen Piste fing alles an.

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Zwei Furten weiter wurde es schon interessanter. Hier hatte das Hochwasser das Ufer abrasiert und die Arbeiter sind dabei eine neue Rampe zum Fluss hinunter zu bauen.

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Irgendwann gab es lange Schlammpartien, durch die uns die Honda nicht mehr fahren konnte.

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Anfangs nutzten wir jede Möglichkeit den Schlamm wieder aus den Sandalen zu waschen, das war aber eigentlich ziemlich sinnlos.

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Mal wieder eine kleine Honda im Wasser. Bei dieser Furt habe ich paarmal nachgemessen ob der Luftfilter auch bestimmt hoch genug liegt. Einfedern hätte die Honda aber nicht mehr dürfen.

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Einmal sind wir auf die Nase gefallen, und natürlich voll in ein Matschloch. Die Stelle war völlig harmlos und so reichte ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und das Vorderrad glitschte in der Schmierseife weg. Zum Glück gab’s nur nasse und dreckige Klamotten, der Honda ist den ganzen Tag über nichts pasiert.

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Die Muße für Fotos ist uns schnell vergangen, so gibt es nur wenige Bilder von der Strecke.

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Über diesen Fluß geht es nur noch mit einem Bambusfloß.

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Denn so tief war das Wasser hier. Auch wenn die Laoten nicht groß sind, die Honda wäre vollends untergegangen.

In den Bergen

„This is the end, …“, wie von Geisterhand geführt legte die Musikbox in meinem Kopf diesen alten Titel der Doors auf als wir wieder einmal an eine Furt kamen. Diese war definitiv ein paar Nummern zu groß für unsere kleine Honda Wave. Zweimal endete unser Weg bereits in kleinen Dörfern und einmal hatten wir schon vor einer Furt kehrtgemacht. Dort waren es die großen Steine im Flußbett und die uns unbekannte Wattiefe des Mopeds, die uns vorsichtig sein ließen. Hier aber ging es recht steil durch tiefen Matsch 5 Meter hinunter zum Fluß unbekannter Tiefe und dann noch steiler, wieder durch tiefen Matsch, die gegenüberliegende Böschung hinauf. Diese Böschung reichte schon als K.-O.-Kriterium aus. Seit gut 5 Stunden waren wir mit dem Moped in den Bergen des Bezirkes Chomphet westlich von Luang Prabang unterwegs. In diesem Bezirk gibt es (noch) keine befestigten Straßen und damit auch keine Brücken, entsprechend dünn ist die Verkehrsdichte. Die „Straßen“ sind in der Regenzeit ein schon eher anspruchsvolles Terrain für ein Zweirad, deshalb hatten wir in Luang Prabang auch nach einer Enduro gesucht. Da aber auch der liebe Dee von der Rezeption unseres Guesthouses innerhalb von 3 Tagen keine für uns auftreiben konnte, haben wir lieber diese kleine Honda genommen als gar keinen Versuch zu machen in die Berge hier zu gelangen. Die Wettervorhersage war optimal für diesen Donnerstag, Sonne bei 38 °C und keine Gewitter. Auch die beiden Tage vorher hatte es nicht mehr viel geregnet, was die Flusspegel an den Furten sinken lassen sollte und die Bruzzelsonne hatte die lehmigen Pisten schon weitgehend trocknen können. Somit blieben als Herausforderungen nur die Furten und die zum Teil recht tiefen Erosionsrinnen auf Steigungs- und Gefällstrecken, ansonsten konnten wir ganz gemütlich durch eine wunderschöne und üppig grüne Landschaft fahren. Alle Laoten entlang unserer Route grüßten freundlich oder winkten uns zu, ganz offensichtlich verirren sich nur selten Touristen, aus dem eigentlich ganz nahem Luang Prabang, in diese Gegend.

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Die erste Furt auf der Hauptstraße kurz nach der Fähre. Das betonierte Flussbett macht die Querung leicht. Es blieb nur die Frage: „wie tief darf das Wasser für unsere Honda sein?“, denn auch hier blieben baugleiche Modelle in der Furt liegen und ließen sich nicht mehr starten. Beim Hochwasser vor ein paar Tagen lag der Flusspegel gut 2 Meter höher, wie man unschwer am Treibgut am Ufer sehen konnte. Da wäre unser Ausflug bereits hier beendet gewesen.

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Verglichen mit der Ruhe hier in den Bergen ist das eigentlich sehr beschauliche Luang Prabrang eine laute und rummelige Stadt.

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Beate neben unserer kleinen Honda.

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Trockengebacken war die Piste manchmal fast wie eine Autobahn.

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Wenig später war hier auch Schluß.

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Manchmal ging es durch dichten Wald.

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Dann wieder vorbei an Reisfeldern.

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Die Verkehrsdichte war nie sehr hoch.

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Kleine Dörfer lagen immer wieder an der Strecke.

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Das typische Fahrzeug für diese Pisten.

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Und so sieht hier ein Taxi aus.

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Der Anbau von Bergreis ist in diesem steilen Gelände eine Knochenarbeit, trotzdem winkten uns diese Bauern fröhlich zu. Vielleicht auch weil sie ahnten, dass wir bald wieder in der Gegenrichtung vorbeikommen würden.